Patrice Vic hielt dem „Druck“ von Scientology nicht stand und sprang in den Tod …

Pressefoto vom Prozess gegen Scientology-Lyon-Chef Jean-Jaques Mazier (Bildmitte) …

Der 31-jährige technische Zeichner Patrice Vic beging im März 1988 Selbstmord. Vic hatte kein Geld mehr, seine teuren Scientology-Kurse und den Reinigungs-Rundown zu bezahlen. Als seine Frau sich weigerte, einen gemeinsamen Kredit aufzunehmen, trat er ans Fenster und sprang. Die Witwe, Nelly Vic, erstattete daraufhin Anzeige wegen fahrlässiger Tötung.

Frank Nordhausen schrieb in seinem Buch darüber: „Es sollte über zwei Jahre dauernd, bevor im Sommer 1990 die Polizei Wohnungen und Geschäftsstellen der führenden Scientologen in Lyon und Paris aufgrund der Anklage wegen illegaler Ausübung des Medizinerberufs, Betrugs und vorsätzlicher Gewaltanwendung durchsuchten. Eine Reihe französischer Top-Scientologen wanderte in Untersuchungshaft, darunter Daniele Gounord, Scientology-Sprecherin aus Paris, Jean-Paul Chapellet des Scientology-Geheimdiensts OSA und Jean-Jacques Mazier, den Leiter der Scientology-Organisation in Lyon. Sie wurden aber bald wieder aus der Haft entlassen.

Es dauerte weitere sechs Jahre, bis im Oktober 1996 das Gerichtsverfahren in Lyon begann. Die Anklage gegen insgesamt 23 Scientologen reichte von fahrlässiger Tötung und Unterschlagung bis hin zu Betrug. 60 Zeugen wurden geladen. Nach sieben Verhandlungstagen forderte Staatsanwalt Thierry Ricard drei Jahre Haft mit Bewährung für den Lyoner Scientology-Boss Jean- Jacques Mazier, weil er Patrice Vic in den Suizid getrieben habe.“

Nordhausen weiter: „Die lange Zeit bis zur Prozesseröffnung hatten die Scientologen auf ihre Weise genutzt. Von ursprünglich 30 Nebenklägern zogen sich 25 bis zum Prozessbeginn zurück. ‚In alter Mafiatradition erkaufte Scientology ihr Schweigen‘, kommentierte dies der Anwalt von Nelly Vic.“

Das Gericht der ersten Instanz verurteilte Jean-Jacques Mazier im Oktober 1996 wegen fahrlässiger Tötung und Betrugs zu drei Jahren Freiheitsstrafe, die halbe Zeit davon unbedingt, sowie zu 500.000 Franc Geldstrafe. Vierzehn andere Mitglieder von Scientology erhielten Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren sowie Geldstrafen wegen Betrugs oder Beihilfe zum Betrug.

In Lyon wurde am 28.7.97 in zweiter Instanz das Strafurteil von drei Jahren Gefängnis plus 75.000 Euro Geldstrafe gegen Jean-Jacques Mazier bestätigt. Wichtigster Vorwurf: Schuld am Selbstmord eines Scientology-Anhängers.

Die Strafe wurde allerdings nun vollständig zur Bewährung ausgesetzt. Fünf weitere Scientology-Anhänger erhielten Bewährungsstrafen von acht Monaten bis zu einem Jahr und Geldstrafen von 10.000 bis 20.000 Franc.

Links zur Seite von Ingo Heinemann und DER SPIEGEL für mehr Informationen.

Nelly Vic erinnerte sich während des Prozesses an Patrice und die „Umstände“ seines Selbstmords: „Patrice war ruhelos und distanzierte sich immer mehr von mir und unseren beiden Kindern. Auslöser dieser Spannungen waren die Kosten der Kurse, die er bei Scientology machte. Im Mai des Jahres [1988] hat uns Jean-Jacques Mazier besucht und meinem Mann einen weiteren Kurs um 6.000 Dollar vorgeschlagen.

An diesem Abend war mein Mann aufgewühlt. Er hyperventilierte. Zeitig in der Früh am nächsten Morgen sagte er: ‚Ich kann es nicht lösen, das ist die einzige Lösung‘.“

Vor den Augen seiner Kinder, damals 3 und 6 Jahre alt, sprang er vom Balkon seiner Wohnung im 12. Stockwerk in den Tod …

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Veröffentlicht am 04/09/2012 in Patrice Vic und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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